No. 3 - ganz normaler Wahnsinn

Jetzt geht der Alltag wieder los - und es ist zum Kotzen. Am Montag hatte ich "Therapiesitzung". Nur diesmal war es keine normale Sitzung, sondern es war Teil meiner Therapie, unter Leuten zu arbeiten. Ich hab mich dann für ein Tierheim entschieden, da ich gehofft habe, dass ich dort meistens mit den Tieren statt mit den Menschen zu tun haben würde. Doch da hab ich mich mal ordentlich getäuscht. Ich war ständig unter Aufsicht. Selbst beim Karotten schneiden für die Kanickel... Ich hab gedacht ich werd wahnsinnig. Es hat mich furchtbar aufgeregt, dass mich dauernd jemand voll gesülzt hat. Ich kann das absolut nicht ab. Reicht ja nicht, dass ich eh schon panische Angst vor engem Kontakt mit fremden Menschen habe. Ich kann das einfach nicht - ich kann nicht einfach frei auf jemanden zugehen, den ich absolut nicht kenne. Ich krieg meinen Mund nicht auf, laufe rot an und würde am liebsten den Kopf in den Boden rammen. Wenn ich mich wirklich rein steigere, dann bekomme ich richtige Panikattacken. Und das endet meistens beim Arzt mit einer Nadel im Arm. Ich konnte mich wirklich gut zusammenreißen bei der Arbeit, ich hab alles in mich reingefressen. Jede zufällige Berührung von Personal hat mich zusammenzucken lassen und ich hätte am liebsten abgebrochen. Aber ich habe alle Gefühle und die ganze Panik einfach runtergeschluckt. Was bei Weitem nicht heißt, dass ich das dann unbeschadet überstehe.... Am Dienstag habe ich mich dann wieder geschnitten. Diesmal etwas heftiger, weswegen mich mein Mitbewohner in die Notaufnahme gebracht hat. Es musste allerdings nur geklammert werden. Wie peinlich mir das immer ist, wenn ich in die Notaufnahme muss. War ja jetzt schon seit einer Ewigkeit nicht mehr dort und ich wäre auch von alleine nicht dort hin gefahren. Doch ich Idiot habe ein blutiges Handtuch (es war wirklich voll mit Blut, sonst wäre mein Mitbewohner auch nicht so "besorgt" gewesen) im Bad liegen lassen, anstatt es gleich in die Waschmaschine zu schmeißen. In dem Moment war ich dann ziemlich neben mir und hab mich einfach nicht "bei mir selbst" gefühlt. Ansonsten wäre ich nicht mit gefahren. Ich hätte es selbst einschätzen können, dass es nicht genäht werden muss. Aber mein Mitbewohner hat es eben nur gut gemeint... Trotzdem war es mir überaus peinlich. Dann hatte ich heute Einzelsitzung. Ich sollte eigentlich über den Arbeitstag im Tierheim sprechen, doch hauptsächlich ging es darum "warum du dich denn schon wieder verletzt hast? Haben wir denn nicht schon oft genug über Skills und Alternativen gesprochen? Du hast doch auch das Notfalltelefon! Ich hoffe das wird sich die nächsten Tage bessern!"

Manchmal denke ich mir: Brich doch einfach diese Wohngruppen-Scheiße ab. Der ambulante Therapeut macht mir manchmal mehr zu schaffen als meine Sozialphobie... Aber womöglich liegt es daran, dass er der einzige Mensch ist, der trotz meiner Probleme Druck ausübt. Und er hat ja nicht mal Unrecht damit. Ich hatte schon mal einen Therapeut, der hat mich extrem mit Samthandschuhen angefasst. Und den hab ich dann auch nach Strich und Faden verarscht. Das bringt ja auch nichts. Ich seh's ja ein, dass ich mich ändern muss... Aber im Moment bin ich wieder sehr am Boden. NGU

7.1.15 16:10

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